Deckengemälde der Stiftsbibliothek

Der Stuck an der Decke stammt vom Italiener Jacopo Appiani aus der Lombardei. Man nennt diese Art auch Bandelwerk, weil sich das goldene Band durch die ganze Decke zieht. Hinten und vorne werden von Engeln Vorhänge aufgehalten und wie in einem Theater tanzen dazwischen die verschiedensten Tier- und Vogelarten, Drachen, Greife und Sphingen. Bemerkenswert sind außerdem die 5 Männlein, die sich besonderen Genüssen hingeben: Hier das Weinmännlein, gegenüber das Biermännlein dort noch das Pfeifenm., das Trompetenm. und der Gaukler.

Zwischen den Fenster sehen Sie 2 Flachreliefs:
Sie zeigen Genusssucht und Völlerei. Hier unten sieht man Kinder, die Feuer machen und eine Kaffeekanne Auf dem hinteren Relief liegen betrunkene Kinder herum. Hier oben sehen Sie einen Chinesen, man vermutet, es könnte mit der Erfindung des Papiers zusammenhängen. Dort hinten oben sehen Sie einen goldenen Wagen, der von Tauben gezogen wird. Die Fahne an der Fanfare trägt das Wappen vom Abt Eugen Schmid, 2 weiße Tauben mit Olivenzweigen. Er war der Erbauer der Bibliothek und wird hier gewürdigt.

Der Maler dieser Bibliothek war Karl Hofreiter aus Bayreuth. Links und rechts sehen Sie jeweils 5 ovale Medaillons. Sie zeigen große Kirchenväter und Kirchenlehrer. Die 4 hier vorne sind die großen Kirchenväter der westl. oder röm. Kirche, die Hinteren sind die 4 Gr. Kirchenväter der Östl. oder griechischen Kirche.

Dazwischen ist rechts der HL Thomas v. Aquin für die Scholastik und gegenüber der Hl. Bernhard von Clairvaux für die Mystik und dieser Berhard v. C. ist der größte Ordensheilige der Zisterzienser und wir finden ihn jeweils in weiß gekleidet auf den 4 großen Deckengemälden in der Mitte.
(Die vier großen Deckengemälde sollen ein Leitfaden durch die Bibliothek sein. Sie zeigen das spezifische Denken und Handeln der Zisterzienser, dargestellt durch den hl. Bernhard. )

Amplexus

Das erste Bild nennt sich „Amplexus“ oder die Umarmung. Jesus neigt sich vom Kreuz herab, um mit dem hl. Bernhard zu sprechen oder ihn zu umarmen. Die Inschrift des Buches am Boden lautet „Jesus zu erkennen, das ist meine Philosophie“, der Wahlspruch des hl. Bernhard.

Lactatio

Das 2. Bild nennt man „Lactatio“, die mystische Milchspende. Es zeigt den hl. Bernhard, die Muttergottes und die Dreifaltigkeit. Vom hl. Bernhard sagt man, er schöpfte aus dem Gebet immer wieder geistige Kraft für seinen Glauben und sein Wirken im Orden.
Die Muttergottes ist bewusst in der Mitte, sie wird von den Zisterziensern sehr verehrt und wird als Mittlerin zu Christus betrachtet. 
In der rechten Ecke des Bildes sehen Sie einen Engel, der sein Beinchen aus dem Bild hängen lässt. Man erkennt daraus ganz deutlich wie Malerei und Stuck ineinander übergehen, eine Modeerscheinung der damaligen Zeit.

Das Konzil zu Reims

Das nächste Bild ist eine historische Begebenheit und sicher das interessanteste der Bilder. Es zeigt das Kleine Konzil zu Reims im Jahre 1148. Der hl. Bernhard klagt mit erhobenem Zeigefinger den Bischof Gilbert de la Porree beim Papst Eugen III. der Ketzerei an.
Die Eigenheit dieses Bildes liegt darin, dass sich auf dem Bild 3 Personen befinden, die erst 600 Jahre später lebten und mit diesem Konzil gar nichts zu tun hatten.
Zwar sind das auf dem Mauergesims liegen, der Mann mit den braunen Gewand, der Bildhauer Karl Stilp, des weiteren links außen am Bild mit der Zipfelmütze der Maler selbst, Karl Hofreiter und weiter rechts zwischen den Mönchen, der Mann mit schwarzem Hut und weißem Stehkragen, Abt Eugen unter dessen Leitung dieser Bibliotheksaal gebaut wurde.

Dieses Bild hat aber noch eine Besonderheit:
Wenn Sie auf den Abt links außen, den Maler mit de Zipfelmütze und en kl. weißen Hund unten auf der Treppe achten, dann werden Sie feststellen, dass Sie diese 3 Augenpaare überall hier im Saal ansehen, egal wohin Sie gehen. Sie können das anschließend gerne noch ausprobieren.

Vision des hl. Bernhard

Das letzte Bild ist eine Vision des hl. Bernhard.
Hier sitzt der Hl Bernhard in einer Bibliothek. Er schaut allerdings nicht in sein offenes Buch, sein Blick geht zum Himmel, wo ihm in einer Strahlenglorie das Monogramm Christ erscheint.

Und dieses Bild hat auch eine Besonderheit:
Wenn Sie dieses Bild von hier aus anschaun, da sitzt der Hl B. zurückgelehnt in seinem Stuhl. Gehen Sie nachher von hier aus einfach quer über den Saal, währendessen setzt er sich auf und von ganz drüben aus sitzt er dann aufrecht. Das ganze liegt nur an der Bauweise, dem Tonnengewölbe, aber Sie dürfen es gerne ausprobieren.


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